Die Mischformen.

Durch die Verarmung des altdeutschen Namenschatzes bildeten sich sogenannte Mischformen.
Die häufigsten Entstehungsmöglichkeiten sind:
1. durch die Vermengung von Kurzformen und Vollnamen, wie z. B. Götzfried, Thielhelm, Gerckhard.
2. Ein zweiter Namenteil tritt an eine deutsche oder slawische Kurzform an.
Dies gilt, abgesehen von den meisten solcher Namen auf  -mann, auch für viele Mischformen auf -hart, -ert und -old.
3. Der Vollname selbst wird durch verschiedene Lautveränderungen den Kurzformen ähnlich.
Beispiele: Burkhart > Butschart, Hrodliup > Roselieb, Hrodland > Rosenland.


Kirchliche Namen.

Bei dem großen Reichtum deutscher Namen sollte man eigentlich glauben, wir hätten es nicht nötig, Namen aus anderen Völkern zu entleihen. Uns erscheint es heute selbstverständlich, daß ein deutscher Knabe Johannes und ein deutsches Mädchen Maria heißt. Diese fremden Namen sind uns im Laufe vieler Jahrhunderte vertraut und lieb geworden, aber es hat eine Zeit gegeben, wo die Deutschen längst gute Christen waren, aber gar nicht daran dachten, ihren Kindern biblische oder Heiligennamen zu geben. Man hat vielfach angenommen, die Kirche hätte im Mittelalter den Deutschen diese fremden Taufnamen aufgenötigt, aber nichts ist falscher als dies. Unter den Erzbischöfen und Bischöfen von Mainz, Köln und Trier zwischen 750 und 1500 trugen 136 germanische Namen und nur 14 fremde Namen. Begünstigt hat die Kirche, besonders wohl der Franziskanerorden, die Annahme eigentlich christlicher Namen gewiß vielfach, erzwungen oder auch nur künstlich hervorgerufen hat sie den Brauch aber nicht. Die Ausbreitung beruht eher auf der Heiligenverehrung und einer Art Modeerscheinung.


Entstehung der Familiennamen, Festwerdung.

Feste Familiennamen sind seit dem 8. Jahrhundert zunächst in oberitalienischen Städten nachzuweisen. Sie wurden notwendig, weil sich in den mittelalterlichen Städten immer mehr Menschen konzentrierten. Man fügte daher dem eigentlichen Namen zwecks Unterscheidung von gleichen Namenträgern, einen Beinamen an.
Im südlichen Frankreich gab es im 10 Jh. feste Beinamen. Im 12. Jh. schließlich wurden auch in Deutschland Familiennamen im eigentlichen Sinne gebräuchlich. Dieser Prozeß war aber ein langwieriger, allmählicher Übergang. Gesetzliche Regelungen gab es noch nicht und Weitergabe oder Vererbung auf den Sohn war nur vereinzelt der Fall. So entstanden Familiennamen die eher praktischen Bedürfnissen entsprachen oder einem gewissen Modetrend unterlagen.  Aber Fälle in denen so etwas nachweisbar ist, sind selten. Immerhin ist bei Berufs- und Ortsangaben die Entscheidung noch am leichtesten.  Auch ein Zusatz nominatus oder dictus = genannt, den man nennet oder dergleichen ist bei Berufs- oder Ortsangaben sowie bei allen Taufnamen ein Zeichen, daß schon ein Familienname vorliegt, bei Übernamen beweist er im allgemeinen nichts. Vergessen sollte man aber auch nicht, daß bei der langen Entwicklungsphase zum eigentlichen Familiennamen, so wie wir ihn heute verstehen, der Rufnamen immer Vorrang hatte und dieser der wichtigere Namenteil war.
So gibt es z. B. noch im 18. Jh. Schüler- und Konfirmandenlisten, die nach Vornamen alphabetisch geordnet sind.


Entwicklung der Namen und Namengebung

Heute bezeichnet ein Name einen bestimmten Menschen, ein Haustier, einen Ort, um ihn ganz äußerlich von anderen zu unterscheiden. Mit dem Wesen hat er es nur noch ausnahmsweise, so z. B. bei Haustieren zu tun. So kann ein Schuhmacher Schneider heißen, ein Abstinent Schluckebier, und ein Meier wird kaum ein Gutsverwalter sein. Er heißt eben nur so, ist es aber nicht. Die ursprünglich Bedeutung eines Namens spielt also heute im öffentlichen Leben kaum noch eine Rolle, eine Nummer würde die gleiche Funktion ausüben. Ein Mensch ist aber, mag er in vielen Beziehungen ein Herdentier sein, ein Einzelwesen. Er hat ein Recht auf sein Einzeldasein und seinen Namen.

Schon in den ältesten Aufzeichnungen finden wir Namen von Personen. Von Beginn der Menschheit an wußten sich unserer Vorfahren mit Hilfe der Sprache zu verständigen und bezogen sich über ihre gesellschaftliche Wirklichkeit selbst dabei mit ein, indem sie sich einen Namen gaben und der sie als Einzelwesen kennzeichnete. Dieser einzige und alleinige Name war zugleich Rufname und reichte lange Zeit aus um seinen Träger in einstmals kleinen Sozialverbänden zu kennzeichnen.


Entwicklung der Namen in den verschiedenen Kulturkreisen.

Was die Entwicklung der Namen und Namengebung im Abendland betrifft, so haben wir vier Sprachstämme zu unterscheiden, die aber auffällige Übereinstimmungen vorweisen. Es sind die indogermanischen, griechischen, slawischen und keltischen Personennamen. Wie eine große Anzahl altdeutscher Personennamen sind wie auch die der Inder, Iraner, Griechen, Kelten und Slawen aus zwei Teilen zusammengesetzt. Auch wenn die Laute selbst nicht übereinstimmen, so ergibt doch die Übersetzung oft wieder einen einwandfreien Namen, oder es sind zumindest ähnliche Bildungen erkennbar und legen Zeugnis darüber ab, wie in indogermanischer Vorzeit, Einzelvölker zur Bereicherung der Namenbildung beigetragen haben.

Betrachten wir die Namen einmal etwas näher, so werden wir feststellen, daß es sich fast ausnahmslos um Zusammensetzungen, also um zweistämmige Namen handelt.

Bildungen aus Substantiven sind z.B: "Gott, Krieg, Krieger, Kampf, Ehre, Ruhm, Sieg, Volk, Mann, Waffe, Schutz, Freund, Held, Mut, Friede; oder aus Adjektiven wie: mächtig, stark, glänzend, berühmt, kühn, reich; oder aus Verben wie: herrschen, walten, beraten, beschützen. Aber auch Namen aus der Tierwelt waren nicht selten. Die häufigsten waren wohl "Wolf" und "Bär".


Die Namengruppen.

Vom Beginn unserer Zeitrechnung werden die uns überlieferten  immer häufiger. Sprache und Namen haben sich jedoch nicht in allen Jahrhunderten gleich sNamenchnell entwickelt. Die Namen aus verschiedenen Zeitepochen kann man daher nicht gleichwertig betrachten. Die Namen der indogermanischen Völker sind zuweilen im dritten Jahrtausend vor Christus entstanden. Ebenso wie das Namensystem der semmitischen Völker, sind noch ältere und einfacherer Stufen vorauszusetzen

Die einstämmigen Namen.

Die älteste Form der einstämmigen Namen sind die sogenannLallnamenten . Wahrscheinlich Namen, wie sie der Mensch der Steinzeit sich und seinen Angehörigen gegeben hat. Es waren einfache Laute, ähnlich der "Kindersprache". Sie waren kaum einer Lautverschiebung unterworfen. Nur zufällig kam es vor, daß der Name mit dem Träger sich deckte. So konnte dieses entweder dadurch geschehen, daß etwas besonders Auffälliges vorlag wie z. B. braun, lang, oder durch Vergleich, indem man zwischen dem Wesen eines Menschen und einem Tier oder einer Sache eine Ähnlichkeit erkannte wie z. B. Wolf, Hirsch, Bär, Funke, Klotz.  Beispiele aus althochdeutscher Zeit sind:  Karl = Kerl, Mann; Friunt = Freund; Hraban = Rabe, Huwo = Uhu.

 

Die zweistämmigen Namen.

Die Entstehung der zweistämmigen Namen geht, wie bereits erwähnt, bis in die indogermanische Zeit zurück. Sie hat sich bis in das 11. Jahrhundert nach Christi weiterentwickelt und verändert, war aber damit noch längst nicht abgeschlossen. Neue Namenschöpfungen, Kurzformen, wie lateinische Formen kamen hinzu.


Die Kurzformen und Verkleinerungen.

Kurzformen zweistämmiger Namen hat es bereits in indogermanischer Zeit gelegentlich gegeben. Mit dem Ende der altdeutschen Zeit schwindet die Namenvielfalt erheblich. Zweistämmige Namen werden weniger und an deren Stelle treten die sogenannten Kurzformen oder Verkleinerungen, oft auch Spitznamen. Die Ursache für diese Tendenz, auch die Zeitspanne, läßt sich aus heutiger Sicht nur sehr schwer erklären. Die Hauptursache dürfte wohl darin liegen, daß für die Menschen die eigentlichen Namen nicht mehr richtig verstanden wurden, sodaß Verballhornungen und Mißbildungen nicht selten waren.

Über die Vielfalt der Namenwelt und der

Gattungen

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